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Gottesdienst & Gemeinde

Meine persönliche Petri-Geschichte

Bärbel Keibel umfasst den bronzenen Türzieher mit Löwenkopf am Westportal der Petri-Kirche. Dieser gilt als Hamburgs ältestes Kunstwerk im öffentlichen Raum.

Am Sonntagabend schlägt das Herz von Bärbel Keibel für St. Petri

Bärbel Keibel – die gute Seele des Abendgottesdienstes

„Die Lobpreismusik!“ Bärbel Keibel muss wirklich keine Sekunde lang überlegen, was sie seit mittlerweile mehr als zwanzig Jahren an St. Petri besonders fasziniert. Damals hat sie sich in den besonderen Spirit der Gottesdienste am Sonntagabend schockverliebt und ist danach sofort in einen Hauskreis und dann auch bald in den Kirchengemeinderat eingestiegen. Die 66-jährige organisiert bis heute den ehrenamtlichen Küsterdienst am Sonntagabend. „Es ist ein schönes Gefühl, als Helfer gebraucht zu werden und auch Anerkennung zu finden“, sagt Keibel.

Einmal im Monat organisiert sie auch die Themenreihe „Petri und die Welt“ – eine Gesprächsrunde an jedem ersten Donnerstag. „Da laden wir uns immer wieder Gäste zu interessanten Themen ein. Wir hören zum Beispiel Reiseberichte, plaudern über die Verflechtungen der europäischen Königshäuser oder erfahren etwas über die Biographien berühmter Frauen aus Hamburg“, beschreibt sie den bunten Themen-Mix.

Die Eilbekerin hat in einer Exportfirma für Maschinenbauersatzteile gearbeitet und steht am Beginn ihres Ruhestandes, bei dem sie sich mehr Zeit für ihren Mann, die drei Kinder und sieben Enkel nehmen will. Am Sonntagabend gehört ihr Herz aber weiter St. Petri.

Oliver Schridde schafft Atmosphäre

Die Stelle, sagen seine Freunde, habe auf ihn gewartet. Als Oliver Schridde im Sommer letzten Jahres die Ausschreibung für die Küsterstelle gesehen hat, die St. Katharinen und St. Petri gemeinsam ausgeschrieben hatten, dachte er „Das ist es!“ Das war alles andere als selbstverständlich, denn als anerkannter Erzieher hatte der 58-jährige bis dato Kinder betreut – hatte jahrelang einen selbstverwalteten Kinderladen geleitet und war dann als Grundschulbetreuer in der Nachmittagsbetreuung tätig. Doch diese Arbeit entsprach nicht seinen pädagogischen Ansprüchen. Da hatte die Ausschreibung Schridde, der mit St. Katharinen eng verbunden ist und dort in der Kantorei singt, geradezu angelacht.

Sein Bauchgefühl hat sich bestätigt: „Die Arbeit ist sinnstiftend“, sagt Schridde. „Auch wenn darunter viele Tätigkeiten sind wie das Aufstellen von Stühlen für einen Vortrag – ich tue wieder etwas, was ich voll und ganz vertreten kann.“ Die Begleitung der Gottesdienste und Kasualien wie Taufen, Hochzeiten und Trauerfeiern mache er richtig gut. Ein Highlight ist die monatliche Turmkontrolle. „Das ist ein sehr außergewöhnlicher Raum. Für mich fühlt es sich dort oben ein wenig an wie oben auf einem Mast auf einem Großsegelschiff.“

Ob es Ähnlichkeiten zu seiner früheren Tätigkeit als Erzieher gibt? „Ich gehe als letzter“, sagt Oliver Schridde, „schließe ab, wenn alles in Ordnung ist, alle heraus sind, die Pflaster verteilt sind und keiner mehr weinen muss.“ Eine gute Atmosphäre zu schaffen, ist ihm wichtig. Und kein Tag ist wie der andere, was noch verstärkt wird durch das Pendeln zwischen der Katharinen- und der Petri-Welt mit ihren ganz unterschiedlichen Abläufen. Die innere Beweglichkeit, die er da aufbringen muss, sei erfrischend. 

Zur Zeit vermisst Oliver Schridde nur ein wenig die ausgedehnten Fahrradtouren rund um Hamburg. Noch bekommt er die Touren nicht mit seiner Vollzeitstelle unter einen Hut. Doch für seine Leidenschaft für historische, deutsche Spielfilme findet er weiterhin Zeit. Rund ein mal im Monat lädt Schridde Gäste zu sich in sein kleines Wohnzimmerkino auf St. Pauli ein. Dort läuft noch alles analog, ohne Beamer und ohne Digital. „So bin ich“, meint Oliver Schridde, „äußerlich St. Paulianer und innerlich ganz konservativ. Mit über 50 dann so eine Entscheidung zu treffen und das Berufsfeld zu wechseln, da war ich von mit selber überrascht.“

Sophie Hanzig vor dem Grablegungs-Relief im Altarraum der Hauptkriche St. Petri

Die Osterkerze erinnert Sophie Hanzig an das Geschenk des ewigen Lebens.

Verantwortung zu tragen, gehört für Sophie Hanzig dazu

„Wenn man irgendwo aus Überzeugung dazugehört, dann ist es doch selbstverständlich, dort auch Verantwortung zu übernehmen.“ Auf diesen Nenner bringt Sophie Hanzig ihr langjähriges Engagement im Kirchengemeinderat. Seit 2009 wirkt die 69-jährige in dem Leitungsgremium der Gemeinde an der Entwicklung von St. Petri mit, in dieser Amtsperiode mit Schwerpunkten im Personalausschuss und im Gottesdienstausschuss.

Für Mitarbeitende war Sophie Hanzig schon während ihres Berufslebens als Juristin in verschiedenen Personalabteilungen und als Personalleiterin da. Im Gottesdienstausschuss denkt sie gerne mit darüber nach, ob bei der Gottesdienstgestaltung Veränderungen vorgenommen werden sollen. „Für mich sind die Sonntagsvormittagsgottesdienste mit ihrer traditionellen Liturgie stimmig und passend – ich bin in dieser Tradition groß geworden und sie ist Ausdruck meines Glaubens“, erklärt Hanzig. „Doch ich weiß, dass vielen, die vielleicht auch eine Sehnsucht nach Kirche haben, diese Form fremd ist. Deshalb suchen wir nach einem zusätzlichen Angebot.“ 

Auch Sophie Hanzig kennt Zeiten, in denen diese Form ihr fremd war. In den 80er Jahren hatte sie bei einem Grundkurs des Glaubens bei Wolfram Kopfermann zum Glauben gefunden. Später ist sie aus der Landeskirche aus- und bei einer Freikirchlichen Gemeinde eingetreten. Doch in den frühen 2000er-Jahren hat Hanzig sich wieder auf die Suche gemacht, hat in den Gottesdiensten in St. Petri eine tiefe Verbindung wiedergefunden und ist 2003 in die Landeskirche zurückgekehrt. 

Seit einigen Jahren engagiert Sophie Hanzig sich auch gemeindeübergreifend in der Kirchenkreis- und in der Landessynode. Und als eine von drei gewählten Gemeindeältesten in St. Petri ist sie Mitglied im Oberaltengremium, dem Aufsichtsgremium der Stiftung zum Heiligen Geist, das sich auch um deren christlich-diakonische Ausrichtung sorgt.

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zum Beispiel von Dorothee Kayser

„Der Klub Q wäre genau das Richtige für Dich!“ Diese Einschätzung einer Freundin, die das Seelsorgezentrum gut kennt, hatte Dorothee Kayser neugierig gemacht. Ihr Mann war verstorben, sie war dabei, sich aus ihrer Praxis als Psychotherapeutin zurückzuziehen, und überlegte, was danach kommen sollte.

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Renate Schöning

Renate Schöning gönnt sich während jedes Dienstes eine kleine Auszeit im Petri-Café

Renate Schöning schafft Ordnung

„Wenn wieder alles an seinem Platz steht, dann bin ich zufrieden. Dann kann ich mit gutem Gefühl nach Hause gehen“, sagt Renate Schöning. Vor genau zwanzig Jahren im August 2005 ist sie als Hauswirtschafterin zu St. Petri gekommen. Sie war arbeitslos gewesen und hatte bemerkt, dass sie dringend was zu tun haben muss. „Ich kann nicht immer nur zu Hause sitzen. Ich brauche auch Leben um mich herum“, so die Motivation der 74-jährigen auch heute noch. Da kam ihr das Angebot, sich zunächst als 1-Euro-Jobberin um die Bewirtung der Veranstaltungen in St. Petri zu kümmern, sehr entgegen.

Sie fühle sich mit St. Petri sehr verbunden. „St. Petri ist fast meine zweite Heimat geworden“, sagt die gebürtige Hamburgerin. Sie habe sich schon lange eingelebt, kenne die Leute und habe Spaß an der Arbeit. „Ich bin froh, dass ich noch ein bisschen arbeiten kann, und habe das Gefühl, ich werde noch gebraucht“, so Renate Schöning, die heute noch zweimal in der Woche in St. Petri mithilft – dabei unter anderem im Herrensaal und Gemeindesaal nach dem Rechen schaut, für die emeritierten Pastorinnen und Pastoren eindeckt, die sich einmal im Monat in St. Petri treffen, und die Essensausgabe beim Renate Schöning gönnt sich während jedes Dienstes eine kleine Auszeit im Petri-Café „Mittagessen für alle“ jeden Donnerstag vor- und nachbereitet.

Gesundheitsbedingt schwingt bei Renate Schöning schon lange auch das Thema „Abschied nehmen“ mit. Früher hat sie in der Ansgar-Kantorei in Langenhorn gesungen und ist gerne und ausgiebig tanzen gegangen. Heute freut sie sich an den kleineren Dingen: Sie gießt die Blumen auf der Dachterasse im Gemeindehaus und schneidet dort die Rosen. Sie liebt Tiere und hütet gelegentlich die Katzen bei einem befreundeten Ehepaar, wenn diese verreisen. Manchmal singt sie plötzlich mit, wenn sie zu Hause eine CD auflegt, oder macht schon mal einen Ausfallschritt. Bei schönem Wetter geht sie von St. Petri aus auch noch einmal runter zur Alster, kommt dort mit Leuten ins Gespräch. Und in St. Petri gönnt sie sich sie bei jedem Dienst eine kleine Auszeit mit einer Tasse Kaffee im Petri-Café.

Ihren inneren Drang, Ordnung reinzubringen, hat Renate Schöning jedoch nicht verloren. „Ordnung muss doch sein!“ schmunzelt sie. In St. Petri hätten Teller, Tassen, Kaffeekannen nämlich Beine. Es vergehe kaum eine Woche, in der sich kein Geschirr auf den Weg gemacht hätte. Auch wenn ihr ihre Vernunft sagt, dass das normal sei bei so vielen Menschen, ärgere sie sich doch immer ein wenig. Dann schimpfe sie vor sich hin, laufe durch die Räume und suche Milchkännchen und Zuckerstreuer, Karaffen und Gläser, und, und, und ... zusammen, um alles wieder an seine angestammten Plätze zu bringen. „Ich sehe das sofort am Bild, wenn alles wieder an seinem Platz steht.“ Dann sei ihr Ärger auch wieder verflogen. Dannkönne sie zufrieden nach Hause gehen und genieße die Ruhe.

Eduard Biedermann hält das Mittagsgebet

Gemeinsam mit anderen Menchen mit Gott in Verbindung treten

Eduard Biedermann feiert das Mittagsgebet

Immer dienstags und freitags steht Eduard Biedermann im Altarraum von St. Petri. Seit Jahrzehnten gehört der heute 83-jährige zum Team, das das Mittagsgebet gestaltet. Es ist eine besondere Viertelstunde mit einem Bibelwort, Stille und Gebet. „Es geht aber nicht nur um den rituellen Ablauf, sondern auch um die befreiende Kraft der Worte,“ unterstreicht Biedermann, der in den 90er Jahren zunächst als Besucher zu den werktäglichen Mittagsgebeten in die Kirche kam. Er arbeitete in einem Büro ganz in der Nähe und ging in den Mittagspausen statt mit den Kollegen zum Essen in die Kirche.  

„Bei einer Israel-Reise habe ich gemerkt, was den Glauben ausmacht“, erinnert er sich. „Damit hatte sich meine ganze Lebenseinstellung verändert.“ Auf dem Weg von seinem Zuhause in Blankenese in die Stadt denkt er heute in der S-Bahn über den biblischen Text nach und legt ihn dann in einigen Sätzen aus. Es geht ihm um die Aussagekraft und Relevanz der biblischen Worte. 

Früher fand das Mittagsgebet in der Martinskapelle statt, mittlerweile versammelt sich die Gemeinde im großen Kirchenschiff. Über die Jahre hat sich eine richtige Mittagsgebet-Gemeinschaft gebildet. Dass die Kirche mitten in der Stadt liegt, ist für Biedermann unschlagbar. „Hier kann ich gemeinsam mit anderen Menschen mit Gott in Verbindung treten und den Lärm draußen lassen.“ Zum Beispiel beim Mittagsgebet – jeden Werktag um 13 Uhr.