Spenden - öffnet externe Website
Beratung und Seelsorge

Meine persönliche Petri-Geschichte

Dorothee Kayser

Dorothee Kayser findet bei der Madonna immer wieder Trost

Dorothee Kayser: Team Klub Q

„Der Klub Q wäre genau das Richtige für Dich!“ Diese Einschätzung einer Freundin, die das Seelsorgezentrum gut kennt, hatte Dorothee Kayser neugierig gemacht. Ihr Mann war verstorben, sie war dabei, sich aus ihrer Praxis als Psychotherapeutin zurückzuziehen, und überlegte, was danach kommen sollte. Irgendwann während der Coronazeit hat sie dann bei einem der Gesprächsabende hospitiert, die alle 14 Tage stattfinden, und wusste gleich, dass sie mitarbeiten wollte. „Mir gefällt die persönliche Atmosphäre“, sagt die 74-jährige, die schon viele Gruppen geleitet hat. „Man erfährt einiges, wie jemand herangeht an seine Probleme, ohne dass die Katastrophen ausgebreitet werden. An jedem Gesprächsabend wird sehr substantiell über ein Thema gesprochen, das die Teilnehmer selber einbringen.“ Es geht etwa darum, wie man fröhlich bleibt, oder mit unangenehmen Menschen umgeht, oder wie das ist mit der Vergebung. „Ich komme immer angeregt und gut gelaunt nach Hause“, so die promovierte Volkswirtin.

Bis in ihre 40ger Jahre hinein war Dorothee Kayser Redakteurin bei „Der Überblick“, einer Zeitschrift vom Evangelischen Entwicklungsdienst. Damals haben Konflikte mit ihrem pubertierenden Sohn ihr Interesse an Psychotherapie geweckt und ihre berufliche Veränderung eingeleitet. Später ist sie zum Yoga gekommen, wodurch ihre Religiosität wieder relevant wurde – „nur völlig neu gemischt“. Heute meditiert sie viel und will von dem Vielen, das das Leben ihr geschenkt hat, etwas zurückgeben. Auch Zeit für Freundschaften zu haben ohne dabei gehetzt zu sein, das sei sehr wichtig.

Ihre Beziehung zu St. Petri begann, als ihr Mann die Krebsdiagnose bekam. „Damals sind wir gemeinsam zur Madonna gefahren. Man kann seine Sorgen an sie abgeben.“ Seitdem setzt sie sich, wenn sie in der Stadt ist, immer wieder gerne zur Madonna und zündet eine Kerze an.

Ulrike Job

In den modernen, lichten Räumen im Beratungs- und Seelsorgezentrum berät Ulrike Job gerne

Ulrike Job hört gerne zu

„Freude, das ist vielleicht das falsche Wort“, findet Ulrike Job. Aber die Beratungstätigkeit im Beratungs- und Seelsorgezentrum (BSZ) sei sehr erfüllend – auch wenn dies mitunter merkwürdig klingen mag angesichts der vielen Belastungen, mit denen Ratsuchende sich in den Gesprächen anvertrauen. Freunde von ihr wundern sich immer wieder: „Dass du das kannst!?!“ Längst nicht jeder sei bereit und in der Lage, mit Ratsuchenden in ihren dunklen Keller zu klettern, in deren dunkelsten Zimmer, da mitgehen zu wollen und deren Bedrängnisse zu halten. Doch im Gespräch zu erleben, dass sie genau damit helfen kann, wenn sie dort mit reingeht und sich – um ein lichteres Bild zu nehmen – gemeinsam mit der oder dem Ratsuchenden unter einen Regenschirm stellt und den Regen aushält, das macht eben doch auch Freude.

Vor ihrem Ruhestand war die heute 69-jährige auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung gewesen, die sie trägt, die den Alltag strukturiert und in der sie etwas aus ihrem Leben weitergeben kann, und hat eine Ausbildung in der Telefonseelsorge gemacht und vier Jahre dort mitgearbeitet. Das BSZ kannte sie von der 5er-Buslinie aus vom Banner an der Kirche, das sie neugierig gemacht hat. Irgendwann ist sie ausgestiegen und hat das BSZ besucht, um mehr zu erfahren. Angetan von den modernen, lichten Beratungsräumen und der Möglichkeit der Face-to-Face-Beratung hat Ulrike Job sich dann entschieden, zusätzlich die Ausbildung im BSZ zu machen und dort mitzuarbeiten.

Gefunden hat sie zunächst eine weitere Sensibilisierung ihres Gefühlslebens und eine gute Verbindung zu sich als Kind. „In der Ausbildung hat sich so auch mein Resonanzraum für andere Menschen weiter geöffnet“, erklärt die promovierte Geisteswissenschaftlerin. Während ihrer Berufstätigkeit als Berufs- und Karriereberaterin bei der Bundesagentur für Arbeit in Bochum, München, Marburg und Göttingen und seit 2006 als Leiterin der Arbeitsstelle Studium und Beruf in der Fakultät für Geisteswissenschaften der Universität Hamburg war es mehr um Informationsvermittlung und systematischen Überblick über berufliche Chancen gegangen. „Im Erwachsenenleben gehen wir ja oft über Befindlichkeiten hinweg, haben keine Zeit dafür. Gefühle sind die Brücke, sich auch menschlich näher zu kommen und dem anderen auch seelisch beizustehen.“

Es ist der Beratungsansatz des BSZ, den die ältere Schwester von drei Brüdern sehr zu schätzen weiß. In den Gesprächen könne sie immer wieder eine Wandlung erleben, wie jemand Ruhe findet, Resonanz erfährt – und dann ein bisschen strukturierter oder gesammelter gehen kann. Voll Dankbarkeit auch für ihre eigene Lebensführung fährt sie dann nach Hause und freut sich, selbst Menschen um sich zu haben, an die sie sich wenden kann, wenn sie Probleme hat; bei denen sie sich aufgehoben fühlt. „Man kann ja auch im Privaten auf diese einfühlsame Weise miteinander sprechen.“

Doch das derzeitige Leben von Ulrike Job ist viel reicher. Zwei kleine Enkelkinder (6 und 3 Jahre alt) von ihrem Sohn beleben gelegentlich ihren Alltag. Zudem hat sie sich mit Ende 30 einen Kindheitstraum erfüllt und Querflöte spielen gelernt – engagiert sich heute im Querflötenensemble „Die Silberlinge“. Seit 2010 singt sie zudem in der Niendorfer Kantorei. Seit ihrem Ruhestand hat sie endlich auch Zeit, mit Freunden den Norden zu erkunden. Und vor vier Jahren hat sie ihren Lebensgefährten kennengelernt. Auch für diese beglückende Beziehung braucht sie Zeit.

Am Taufbecken genießt Karola Brandt die Atmosphäre von St. Petri

Karola Brandt hält den Berater:innen den Rücken frei

Drei Monate musste sie in sich gehen, bis Karola Brandt eingewilligt hat, ihren sicheren Arbeitsplatz in der Familienberatungsstelle in Pinneberg gegen die zur Hälfte über Spenden finanzierte Sekretariatsstelle im Beratungs- und Seelsorgezentrum (BSZ) einzutauschen. Vierzehn Jahre ist das her und Karola Brandt hat ihre Entscheidung nie bereut. St. Petri kannte die Pinnebergerin bis dahin vor allem von der Vorweihnachtszeit. Viele Jahre ist sie mit ihrem damals kleinen Sohn zum Adventsliedersingen in die Stadt gekommen, und der Besuch des Weihnachtsoratoriums mit ihrem Bruder war ein gerne gepflegtes Ritual.

Doch gelockt hat die 55-jährige einer der schönsten Arbeitsplätze Hamburgs mit direkter Sicht aus dem St. Petri Haus über den Platz auf Kirche und Hulbe-Haus. Die Anbindung des BSZ an eine der Hamburger Hauptkirchen versprach ihr die nötige Sicherheit. Und gespannt war sie auf die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen. „Das Angebot des Beratungszentrums mit Offener Beratung, Fachberatung und Seminaren für die Öffentlichkeit fand ich faszinierend und war neugierig auf die Leute, die dieses Angebot seit Jahrzehnten mit ihrem ehrenamtlichen Engagement tragen“, sagt die gelernte Industriekauffrau.

Den Beraterinnen und Beratern im Hintergrund den Rücken frei zu halten, damit sie sich voll auf die Ratsuchenden und deren Themen konzentrieren können – das motiviert sie bis heute. Kirchenbesucher:innen kennen Karola Brandt zumeist durch ihre kleine weiße Hündin Emma, die sie immer begleitet, wenn sie in die Kirche kommt, um beispielsweise Flyer des Beratungszentrums im Turmraum auszulegen. Oder wenn sie kurz am Taufbecken verweilt und die Atmosphäre der Kirche genießt.

Die haupt- und ehrenamtlichen Kolleg:innen und vermutlich auch die Anrufer:innen schätzen an Karola Brandt vor allem ihre aufmerksame Freundlichkeit. Ausnahmslos freundlich begegnet Brandt jeder und jedem ganz unabhängig von Rang, Namen und Eigenart. Nach ihrem Geheimnis befragt meint sie: „Ich bin von Natur ein fröhlicher Mensch.“ Auch in ihrem Elternhaus wäre es sehr fröhlich zugegangen. So ist es bis heute eher die Regel, dass die Beraterinnen und Berater auf ein kurzes „Hallo“ bei Karola Brandt vorbeischauen, wenn sie dienstags und donnerstags im BSZ-Büro arbeitet.

Weitere Petri-Geschichten

zum Beispiel von Sonja Bröning

Sonja Bröning singt Sopran im Bachchor. Ihr geht das Herz auf, wenn sie an die Auftritte mit dem Hamburger Bachchor im Gottesdienst oder auch an großen Konzerthäusern wie der Elbphilharmonie denkt.

mehr

Sonja Bröning

Insider-Tipp

von Hans-Werner Schulz Ehlers (Gemeindemitglied)

“Verpassen Sie auf keinen Fall den Blick von unserem Turm”.

Erfahren Sie mehr und weitere Insider-Tipps

Hans-Werner Schulz Ehlers

BSZ-Berater Ralph Mächler im Schutz der Petri-Kirche

Ralph Mächler hat ein offenes Ohr

„Das ist mein Baby geworden“, strahlt Ralph Mächler, wenn er über die große Heiligabend-Feier in St. Petri spricht. Die Organisation des beliebten Weihnachtsabends liegt seit Jahren in seinen Händen. An jedem 24. Dezember kommen dann etwa 300 Menschen, die Weihnachten gemeinsam feiern wollen, in die Kirche. „Nach der Corona-Zwangspause sind wir 2021 wieder am Start“, verspricht der 54-jährige mit seinem sympathischen Akzent, der verrät, dass er nicht in Hamburg, sondern in der Schweiz geboren wurde. Seit fast 30 Jahren lebt und arbeitet Mächler in der Hansestadt. „Vom ersten Moment an habe ich mich in die Weltoffenheit der Hamburgerinnen und Hamburger verliebt.“ Im mittlerweile siebten Jahr engagiert sich Mächler ehrenamtlich im Beratungs- und Seelsorgezentrum (BSZ).

Jenseits der 40 habe er damals nach einer Beschäftigung gesucht, sich zunächst der Hospizarbeit zugewendet, dann aber das BSZ für sich entdeckt. „Es ist die gelebte Mitmenschlichkeit, die mich begeistert“, sagt Mächler über die Arbeit in der Hauptkirche St. Petri. „Die tut einfach gut!“ Das Ehrenamt hat sein Leben verändert: Er hat seinen Job bei einem Limonaden-Konzern an den Nagel gehängt und eine Therapeuten-Ausbildung gemacht. Doch der Wirtschaftsmann von früher kommt in ihm durch, wenn er über sein Engagement von einer ‚klassischen Win-Win-Situation‘ spricht. 

Im BSZ betreut Mächler auch die Veranstaltungsreihe „Klub Q“ für Menschen, die gemeinsam einen inspirierenden Abend zu unterschiedlichsten Themen verbringen wollen. Die aktuelle Corona-Krise ist natürlich auch in den alltäglich en Beratungsgesprächen im BSZ zu spüren. „Das zentrale Thema ist Einsamkeit“, sagt Mächler. „Und die Menschen, die das schon immer als Thema hatten, sind nun doppelt und dreifach betroffen. Einsamkeit wird zur Verzweiflung.“ Er wünscht sich, dass die wunderbaren BSZ-Angebote in der Stadt noch viel bekannter werden.